GRAVE LINE TOURS
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 Willkommen zu den "Grave Line Tours". Das ist ein Unternehmen, das nicht
Hollywoods lebende Größen huldigt, sondern die verstorbenen - vor allem dann,
wenn sie auf spektakuläre Weise aus dem  Diesseits schieden. 40 Dollar pro
Person kostet der etwa zweistündige Ausflug im umgebauten Leichenwagen
 zu rund 60 Schauplätzen von "Hollywoods notorischsten Todesfällen, Sünden,
Morden und Drogenüberdosen", wie es in der Werbung der Firma heißt.
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 Gegründet wurde Grave Line Tours ("Grabestouren") 1987 von Greg Smith,
der einst Leichenbestatter werden wollte, es sich dann aber anders überlegte.
Selbst ein Hollywood-Fan, fand er die typischen Touristen-Bustouren zu den
Villen der Stars - wie könnte er auch anders - "todlangweilig". Nachdem sich
 Privatführungen für Freunde zu den "Gruselstätten" in Los Angeles als  Bomb-
enerfolg erwiesen, kaufte Smith für 1 000 Dollar einen alten Cadillac Leichen-
wagen und möbelte ihn für zahlende "Trauergäste" auf. "Menschen sind von
Natur aus neugierig", sagt Smith. "Sie lieben Skandale. Und durch die Art des
Todes erfährt man oft mehr über das Leben eines Stars als durch ein Filmlexikon."
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Die Touren, zweimal pro Tag und auf Bestellung (Pauschalpreis 225 Dollar) sind
stets ausgebucht. Zur  Einstimmung erhält der Gast eine Kopie des Totenscheins
von Marilyn Monroe, zum Abschied einen Friedhofsplan mit Tips, wo die
sterblichen Überreste von Prominenten zu finden sind.
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 Der Fahrer fungiert zugleich als Führer durch Hollywoods "Babylon", wie Grave
Line es formuliert. Oft ist der erste Stopp das Highland Garden Hotel, in dem
Sängerin Janis Joplin 1970 an einer Heroin-Überdosis starb. Komödiant John Belushi
folgte ihr 1982 in einem Bungalow des Hotels  Chateau Marmont auf ähnliche Weise.
Beim Vorbeigleiten erklingt im Leichenwagen Eric Claptons  "Cocaine". Pistolen-
schüsse vom Band untermalen die Schilderungen des Fahrers, wenn jenes Haus
 angesteuert wird, in dem Mafioso Bugsy Siegel von Mitgliedern einer
rivalisierenden Gang umgebracht  wurde.
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 Wo aß James Dean zum letzten Mal? Wo brach River Phoenix zusammen?
Wo erschoß Cheryl Crane den Freund ihrer Mutter Lana Turner und TV-Superman
Georges Reeves sich selbst? Grave Line hat die Antwort. Der Leichenwagen passiert
auch den Ort am Bella Drive, an dem Sharon Tate und vier andere von der Manson-Bande
umgebracht wurden, und das Beverly Hills Hotel, in dessen Lobby Schauspieler Peter Finch
eine tödliche Herzattacke erlitt. Im Benedict Canyon Drive steht jene Palme, gegen die Schau-
spieler Richard Dreyfuss 1982 in seinem Mercedes prallte (er bekannte sich später des Kokain-
besitzes schuldig). Der Leichenwagen - die Touren variieren etwas -, folgt oft auch jener Route,
die Montgomery Clift im Mai 1956 nahm, als er die Kontrolle über seinen Wagen verlor. "Er
 erhielt sein schönes Gesicht trotz Operation niemals zurück", klärt der Fahrer seine Gäste auf.
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 Grave Line läßt natürlich auch die Krankenhäuser in Los Angeles nicht aus, die von
Stars "in der Horizontalen" verlassen wurden. Und dann ist da die Geschichte von Truman
Capotes Asche, die gestohlen wurde, und von der Schauspielerin Peg Entwhisle, die sich vom
Buchstaben H des berühmten Hollywood-Zeichens in den Tod stürzte. Wem das alles noch
nicht makaber genug ist, der kann sich ein paar Andenken mit nach Hause nehmen. Zehn
Dollar kostet zum Beispiel ein kleines Stückchen Stein ("Sharon Stone") vom Kamin
in dem Haus, in dem die Manson-Mörder wüteten. Für 30 Dollar legt Grave Line ein
Foto vom Tatort sowie Kopien der Totenscheine der Opfer und des
 Autopsieberichts über Sharon Tate drauf.
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 Informationen wann und wo die nächste Tour stattfindet erhalten Sie unter
Telefon: (213) 876 0920
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